10. Januar 2026
Wir sind beide angespannt. Auf der Fahrt nach Stans reden wir belangloses Zeug, um uns abzulenken. Wie wird das wohl heute? Wer ist für Malin zuständig? Hoffentlich läuft es nicht so wie vor sieben Jahren. Mehrere ärztliche Briefe nützten nichts. Das damalige Gesuch um Unterstützung wurde abgelehnt. Als ich telefonisch nach den Gründen fragte, wurde ich mehr als unfreundlich abgewiesen. Auf eine Art, die keine ist. Ihr abschliessender Satz brachte mich dann vollends aus der Fassung:...
03. Januar 2026
Das Jahr 2025 war für mich das Jahr der 'Einsicht'. Und das war - zugegeben - schwierig für mich. Einst war ich überzeugt: Wenn die Beine operiert und die Prothesen eingesetzt sind - dann haben wir es geschafft - dann hat Malin es geschafft. Ihren Weg, der so anders war als einst gedacht. Ich war optimistisch, sah sie als Survivor in ihrem Alltag. Zwar mit einer langen (Kranken)Geschichte im Rucksack aber mit ebenso viel Motivation, Zukunftsplänen, Freude, Träume... All die Jahre versuchte...
04. Oktober 2025
Der rechte Ellenbogen ist einbandagiert. Irgendwo darunter sind fünf Löcher und Schnitte, die genäht wurden. Die erneute OP am Ellenbogen (ziemlich genau vor einem Jahr wurde ihr Knochen vom Beckenkamm transplantiert) ist gut verlaufen. Die Schrauben wurden entfernt, ebenso die Knochenfragmente, die erneut abgebrochen sind und regelmässig ihr Gelenk blockierten. Das sollte jetzt nicht mehr der Fall sein. Nun darf sie den Arm während sechs Wochen bewegen aber nicht belasten. Das ist gar...
26. August 2025
Unser Jüngste ist 18. Kann es kaum fassen. Die Wände sind voll geklebt mit Fotos von den letzten 18 Jahren. Die Entwicklung ist schon beeindruckend. Bin gerührt. Erinnerungen werden wach. So viele schöne Momente! Heute ist Enyas Tag. Heute feiern wir sie, obwohl sie es eigentlich nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen. Jedenfalls nicht am Geburtstag. "Es wird nicht gesungen!" stellt sie unmissverständlich klar. Vergeblich, das "Happy Birthday" wird irgendwo angestimmt und alle singen mit....
13. Juli 2025
Ich muss zugeben: Ich hatte anfänglich Mühe. Nach diesen neuerlichen Diagnosen versank ich in einem Wechselbad der Gefühle. Die meisten davon waren nicht positiv und taten nicht gut. Ich "schwamm" einige Runden darin, spürte diesen Schmerz, die Verlorenheit, latente Zukunftsängste und stieg dann ganz bewusst aus diesem "Gefühlsbad" aus. Denn mittlerweile weiss ich aus Erfahrung: Man darf dieses Gefühlsbad für eine Weile zulassen - aber dann muss man sich davon lösen und wieder nach...
30. Juni 2025
Die drei Monate sind vorbei. Flugs, scheint mir! Sie hat sich gut eingelebt und obwohl körperlich manchmal grenzwertig - war es irgendwie machbar für sie. Abends fiel sie zwar jeweils komplett erschöpft und mit Schmerzen am ganzen Körper ins Bett. Aber - sie schaffte es. Nun heisst es Abschied nehmen vom Team sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern. Alle sind sie ihr in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen. Entsprechend fällt ihr der Abschied schwer. Sie wird beschenkt vom Team sowie den...
15. April 2025
"Ich gah trotzdem! Ich mache das Praktikum. Das wird de scho irgendwiä gah!" Sie hat sich entschieden. Eine gewisse Erleichterung und auch eine gespannte Vorfreude auf ein neues Kapitel ist spürbar. Freude auf einen strukturierten Tagesablauf, den sie schon so lange nicht mehr hatte. Auf eine sinnvolle Tätigkeit. Auf den Kontakt und das Kennenlernen von anderen Menschen. Sie startet - obwohl vielleicht letztlich für ihre Ausbildung nicht mehr nötig - mit dem Praktikum im sozialen Bereich....
07. März 2025
Es fällt mir schwer, die passenden Worte zu finden. Gibt es die? Gefühlschaos. Angst, Trauer, Unverständnis, Müdigkeit, Wut, Sorgen, Dankbarkeit, Zuversicht. Ein völliges Durcheinander. Und ich schaffe es grad nicht zu ordnen. "Nehmen Sie Platz," sagt er freundlich und weist auf das weisse Sofa gegenüber der beiden Bildschirme. Bilder von Malins rechter und linker Hand leuchten vergrössert auf. Bereits vor zwei Wochen war Malin ein erstes Mal hier, eigentlich wegen der rechten Hand....
25. Januar 2025
Malin stellt ruckartig den Wasserkrug wieder hin, nimmt ihn kurzerhand mit der anderen Hand und trägt ihn dann zum Tisch. Es ist nicht das erste Mal, dass es mir auffällt. Mit der rechten Hand scheint etwas nicht zu stimmen. "Mir tuet irgendwie d' Hand weh", sagt sie so ganz nebenbei. Ich will es nicht hören - denke ich. "Seit wann und wo spürst du den Schmerz?" frage ich. Ich ahne nichts Gutes. "Scho länger", sagt sie, "hie obä, am Handglänk tuet's immer wieder so weh. Ich cha nüt meh...
24. Januar 2025
Malin nimmt Autofahrstunden. Schon lange. Mit mehreren monatelangen Unterbrüchen, aufgrund von Schmerzen an den Beinen und Armen. Aufgrund immer wieder neuer Operationen und den danach nötigen Erholungs- und Therapiezeiten. Es ist wirklich sehr mühsam für sie. Diese dauernden Zwangspausen. Die Motivation leidet entsprechend. "Ha gar kei Bock meh!" sagt sie einmal - und man sieht es ihr an. Sie hat wirklich kein Bock mehr. Sie hat das Gefühl, immer wieder von vorn anfangen zu müssen und...