Ende 23 - Anfang 24

Das Jahr 2023 ist Vergangenheit. Ein ereignisreiches und intensives Jahr. Weltweit in vielerlei Hinsicht.

 

Für Malin das Jahr mit den geplanten Operationen. Beidseitig Vollprothesen im Kniebereich.

Anfang Februar steht ihr die OP am rechten Bein bevor. Ein Gemisch aus Freude, endlich diese Schmerzen loszuwerden und Angst, was auf sie zukommen wird.

Es wird tatsächlich nicht einfach, kostet viel Energie. Sie meistert die Situation, wie sie alles andere vorher auch meisterte. Ohne zu jammern hält sie diese oft unsäglichen Schmerzen aus, übt erneut das Gehen, erste Fortschritte werden spür- und sichtbar. Das zweite, noch nicht operierte Bein, hält dieser Mehrbelastung jedoch irgendwann nicht mehr stand. Abgelöste Knochen- und Knorpelteile blockieren regelmässig schmerzhaft das Gelenk. Rückschlag. Weitere Einschränkungen. Stöcke und Rollstuhl gehören fortan fest zu ihrem Alltag.

Nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hatte.

Die Schmerzen nehmen oft Überhand, schränken sie massiv ein. Im Alltag. In der Schule. Beim Lernen. Es wird zu einem weiteren Balanceakt. Die Dosis der Schmerzmittel wird erhöht sowie zusätzliche Fenthanyl-Pflaster geklebt. Als Folge davon spürbarer Konzentrationsmangel und eine bleierne Müdigkeit. Regelmässig schläft sie beim Lernen ein. Die Matura, ihr erklärtes Ziel, wird zu einem Kraftakt, zu einer Belastung sondergleichen.

Sie schafft es - irgendwie. Auch das. Aufschnaufen! Jubel! Erleichterung! Stolz.

Eine tiefe Freude und Dankbarkeit, sie dort oben auf der Bühne zu sehen, wie sie das Diplom entgegennimmt. 

 

Die zweite OP im August. Nach dieser Operation geht es ihr deutlich besser und sie ist erstaunlich schnell wieder auf den Beinen. Noch unsicher zwar, aber immerhin. Nun geht es darum, wieder richtig laufen zu lernen. Über Jahre eingeschliffene, falsche Bewegungsmechanismen gilt es "umzuprogrammieren". 

Klingt einfacher als es ist. Ihr Gang ist auch heute noch nicht ganz rund. Eine Mitarbeiterin fragte sie neulich, ob sie Rückenschmerzen hätte.

Nein, Rückenschmerzen hat sie keine. Und die Schmerzen in den Beinen sind auch deutlich weniger geworden. Ganz weg sind sie allerdings noch nicht und ihr angestrebtes Ziel, bis Ende 2023 sämtliche Schmerzmittel auszuschleichen und abzusetzen, hat sie nicht erreicht.

Ohne geht es (noch) nicht.

Dafür geht es ohne Stöcke und Rollstuhl. Die stehen derzeit verwaist im Keller. Ungenutzt. Ausgedient.

Irgendwann im 2024 werden wir den Rollstuhl retournieren. Ihren "Turbo", wie sie ihn einst nannte. Wie hatte sie sich anfänglich gesträubt dagegen aber irgendwann kippte diese spürbare Abneigung in ein Gefühl von Dankbarkeit. Sie sieht, dass ihr "Turbo" zu grösserer Mobilität verhilft und es überhaupt erst möglich macht, mit dabei zu sein.

Zwar nicht bei allem - gewisse Hindernisse sind mit Rollstuhl nicht zu überwinden - aber immerhin.

 

Der Orthopäde erklärte uns einst: "Mit einem Jahr Erholung und Aufbau pro Bein müssen Sie rechnen. Bis wieder alles so ist, wie es sein sollte."

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich innerlich ungeduldig werde. Wie ich mir wünsche, dass sie endlich schmerzfrei Luftsprünge machen kann. 

Es ist noch nicht soweit. Braucht noch etwas Zeit. Und Geduld.

Aber ich bin mir sicher, der Luftsprung wird 2024 folgen! Ich freue mich darauf!

 

Für alle ein gesundes, zufriedenes 2024 mit vielen freudigen Luftsprüngen und schönen Momenten!