Die Nächte sind kurz. Malin sitzt stundenlang am PC, schreibt an ihrer Maturaarbeit. Wertet die Umfrage aus, erstellt die letzten Diagramme, bringt geführte Interviews in die schriftliche Form und erklärt Hintergrundwissen über die Blutstammzelltransplantation. Das braucht Zeit. Viel Zeit.
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, einmal mehr ins Lager "DIE WOCHE" zu gehen. Eine Woche für onkologisch betroffene Jugendliche. Mit Gleichgesinnten, die einander auch ohne Worte verstehen - und akzeptieren. Eine tolle Woche mit tollen Leuten und Leitern. "DIE WOCHE" ist für Malin so wichtig, dass sie bereit ist, ihre Maturaarabeit eine Woche früher fertig zu schreiben und drucken zu lassen.
Denn am Montag nach den Ferien ist Abgabetermin.
Der Schlussstress der Arbeit ist also um eine Woche vorgezogen.
Schafft sie das? Sie hat noch einiges zu tun.
"Blutstammzellspende - einfach Leben retten?" stellt sie als Frage in der Einleitung. Und sie kommt am Ende ihrer Arbeit zum klaren Schluss: Ja, es IST einfach, Blutstammzellen zu spenden und damit Leben zu retten! Eine ihrer fünf InterviewpartnerInnen brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt: "Zwei Einstichstellen = ein Leben retten!"
So einfach ist das.
Ich lese die Arbeit durch, korrigiere Schreibfehler. Sie ist aufschlussreich und spannend zum Lesen und ich bedaure einmal mehr, dass ich sie nicht schon vor zehn Jahren zum Lesen bekam. Denn dann hätte ich mich altersmässig noch registrieren können. Jetzt leider nicht mehr.
Der Nervenkitzel spitzt sich unplanmässig zu, als sich sämtliche Grafiken wie von Geisterhand getrieben irgendwo ins Nirgendwo verschieben. Plötzlich ist das Zeug weg - wieder da - übereinander geschoben - und wieder weg. Sie weiss nicht warum und wir erst recht nicht. Die Verzweiflung sieht man ihr an, aber sie bleibt bemerkenswert ruhig. Wahrscheinlich fehlt ihr ganz einfach die Energie um zu fluchen und sich darüber aufzuregen.
Sie ist müde und hat irgendwann keine Lust mehr.
"Langsam isch es mier *******egal! De bliibts halt so wie's isch!" sagt sie nur frustriert.
Sie bringt dann die Grafiken doch noch irgendwie hin. Nicht perfekt, aber immerhin sind sie da. Auf den letzten Drücker die letzten Korrekturen, dann verschickt sie die Arbeit in die Druckerei, packt auf die Schnelle ihren Koffer und wir düsen los Richtung Andermatt.
Geschafft. Sie sitzt mit Sack und Pack im Zug nach Tschamut. Winkt uns zu. Lächelt müde. Die Erleichterung ist ihr anzusehen. Eine Last weniger.
Die Maturaarbeit ist abgeschickt.
Ändern oder verbessern kann sie jetzt nichts mehr. Jetzt gilt es: Herunterfahren und die Woche geniessen!