blaues Haus

Die Nummer bekam ich von einer Ärztin aus der Klinik in Stuttgart. Und als ich letzte Woche dort anrief, überraschte mich eine sympathische, aufgestellte Frauenstimme, die uns schnell und unkompliziert eine Unterkunft im "blauen Haus" in Stuttgart zusicherte. Ursprünglich suchte ich bloss für eine Nacht eine Unterkunft, danach würde ich (auf ihren Wunsch hin) auf einem Zustellbett bei Malin in der Klinik bleiben. Aber die nette Stimme am anderen Ende der Leitung sagte: "Wissen Sie, behalten Sie doch das Zimmer während dem stationären Aufenthalt Ihrer Tochter. Es ist so schnell zu erreichen und es wird Ihnen vielleicht einmal gut tun, den Kopf zu lüften und eine Nacht gut schlafen zu können. Ihre Tochter kann Sie jederzeit anrufen und Sie werden in zwei Minuten dort sein."

Ich war erleichtert, so würde ich beide Möglichkeiten haben. Und ich war ihr so dankbar - für ihre ausgesprochen unkomplizierte und hilfsbereite Art, die in diesem Moment einfach so was von gut tat!

 

Nach den ersten Hürden am Hauptbahnhof Stuttgart (der Lift ist defekt und sämtliche Ausgänge sind mit grossen Treppen bestückt) sind wir beim Ausgang Nord erfolgreich stufenfrei unterwegs.

Schnurstracks wäre wohl anders, aber - nach einem kaum nennenswerten Umweg - treffen wir mit Sack und Pack am Zielort ein: Dem blauen Haus. Es ist ein stattliches, wunderschön umgebautes Jugendstilhaus vom Förderkreis krebskranker Kinder. Wir finden den für uns hinterlegten Schlüssel, öffnen die Türen und Malins erste Reaktion sagt schon alles aus: "WOW!"

Genau! Es ist "wow": Gross, hell, sauber, zweckmässig, modern und freundlich eingerichtet - so richtig schön - einfach zum Wohlfühlen. Und als Malin im Bad steht, ruft sie erleichtert: "Es hed sogar e Halterig bim WC - bin ich froh!" An diesen simplen Stützen kann sie sich aufziehen und halten, es bedeutet für sie ein Krampf weniger.

"Chan ich nid ai grad hie bliebe anstatt i Spital?"

Die Frage ist durchaus ernst gemeint, ich kann es verstehen.

Wir ziehen die Betten an und während Malin noch schaut, was im Fernseher läuft, schlafe ich innert Kürze ein, aber nicht durch. Irgendwann liege ich wach und das Gedankenkarussell beginnt hartnäckig und ausdauernd zu drehen...