Heute Abend findet ein Nachtskirennen in Engelberg statt. Enya wird ebenfalls am Start stehen. Da man mit dem Auto direkt an die Piste fahren kann, hat auch Malin die Möglichkeit wieder einmal als Zuschauerin dabei zu sein. Wir ziehen uns alle warm an, packen heisse Getränke, einen Stuhl und eine Decke ein und fahren los.
Seit einigen Tagen haben unsere beiden Mädels immer wieder geschwisterliche Kabbeleien, so wie jetzt gerade. Von "Schongang" und besonderer Rücksichtnahme ist im Moment nicht wirklich viel zu spüren. Da fallen manchmal durchaus wieder unschöne Worte. Ein gefühlt schräger Blick oder ein vermeintlicher Misston wird dann meistens noch falsch interpretiert und daraufhin lautstark kommentiert.
Es ist offensichtlich: Malins situationsbedingte Sonderstellung, die nun doch schon recht lange anhält, lockert sich bei Enya spür- und sichtbar auf. Die stete Hilfsbereitschaft und das Verständnis nehmen merklich ab.
Durchaus auch nachvollziehbar. Joel und Enya mussten sehr oft Rücksicht nehmen, auf vieles verzichten und standen immer wieder im Schatten von Malins Krankheit. Besonders in den ganz schwierigen Zeiten bekamen sie weniger Zuwendung als sie vielleicht gebraucht und wir uns für sie gewünscht hätten. Das war nicht immer einfach für die beiden. Trotzdem haben sie (zu unserem Glück) auch ihren Weg bemerkenswert gut gemeistert! Nun aber scheint es fast so, als würden die "Samthandschuhe" langsam abgestreift. Unsere Familienstruktur nimmt einmal mehr neue Formen an und jeder von uns wird sich langsam aber sicher wieder in einer neuen "Rolle" zurecht finden müssen.
Nun stehen wir gemeinsam am Pistenrand und auch Malin drückt ihrer kleinen Schwester die Daumen - trotz einigen vorangegangenen Misstönen. Die sind bereits wieder vergessen.
Enya ist mit ihrer Fahrt ganz zufrieden. Darf sie auch sein, in ihrer Kategorie mit 35 startenden Mädchen fährt sie letztlich auf den sehr guten sechsten Platz.
Es ist kalt. Mein Versuch, Malin zu überreden uns im Restaurant etwas aufzuwärmen, scheitert leider kläglich. Sie möchte noch ihre Klassenkolleginnen fahren sehen, die allerdings erst rund 40 Startnummern später starten werden. Nur schon der Gedanke daran bringt mich zum Schlottern. Sie aber zieht sie es durch - kalte Füsse hin oder her...