Unser Baugespann ist seit gestern weg. Mitte April dieses Jahres hatten wir das Baugesuch für unseren geplanten Anbau eingereicht und das Baugespann gestellt. Unser Projekt wurde öffentlich ausgeschrieben. Davor sind wir unzählige Stunden über Skizzen und Plänen gesessen, haben diskutiert, ergänzt, verschoben, verändert und Padi hat wieder gezeichnet und geplant. Auch die Kinder konnten Ideen, Wünsche und Anregungen einbringen. Es war ein intensives aber grossartiges Familienprojekt! Endlich war es soweit - das Baugespann stand in eindrücklicher Grösse...
Und dann, nur wenige Tage später, erschüttert uns Malins Diagnose. Die riesige Vorfreude über die endlich fertigen Pläne war auf einen Schlag weg. Was vorher so wichtig war, schien wie weggefegt, zählte nicht mehr. Alles war anders - nichts wie vorher. Nur die gesteckten Stangen im Garten erinnerten uns im Sommer regelmässig an unser einstiges Vorhaben. Vor allem dann, wenn wir darüber stolperten oder unsere Köpfe daran stiessen…
Auf die öffentliche Ausschreibung hin gab es viele Reaktionen. Etliche "Gratulationen" von diversen Baufirmen stapelten sich auf, verknüpft mit ihren Offertenanfragen. Tief- und Hochbauarbeiten, Bad- und Küchenbau, Bodenbelege, Fensterbau, Maler- und Gipserarbeiten, Heizungs- Sanitär- und Elektroarbeiten ... Der Stapel wurde immer grösser, jeden Tag war der Briefkasten wieder gefüllt davon. Zwischen diesen vielen Bauunterlagen fanden wir dann ebenso viele liebe- und kraftvolle Wünsche in Form von Briefen, Plakaten, Karten, Kerzen, Engeln und so vielem mehr – um Malin und uns als Familie Kraft und Hoffnung zu wünschen. Beides gleichzeitig. Es machte mir zunehmend Mühe, die Bauunterlagen legten wir alle ungeöffnet weg. Die Vorfreude über unser Projekt wurde von Trauer, Angst und Ungewissheit überschattet ...bis wir es schafften, aufzustehen, den Blick wieder nach vorn zu richten, Mut zu fassen und weiter zu gehen.
Trotz Baubewilligung können wir allerdings noch nicht starten. Für Malin ist eine Baustelle mit Staub, Dreck und Sporen in der Luft viel zu gefährlich. Malins Gesundheit steht klar im Vordergrund, wir wollen absolut nichts riskieren und so wird der Baubeginn (nach Absprache mit den Ärzten) voraussichtlich im Spätsommer (wohl eher Herbst) 2018 sein. Malin selber bedauert die lange Verzögerung zwar sehr, aber wir haben gemeinsam wieder angefangen davon zu träumen und uns darüber zu freuen: Auf unser helles Atelier, auf ein zweites WC (keine Warteschlangen mehr!), auf eine schöne grosse Küche mit einem übergrossen Esstisch, damit wir ganz viele Leute zu vielen gemütlichen Stunden einladen können! Es sind schöne Gedanken, die gut tun. Bis es jedoch soweit ist, brauchen wir unsere ganze Energie, Malin auf ihrem steilen Weg zu begleiten. Doch wann immer es geht, träumen wir "unterwegs" weiter - denn wie sagt man doch: Vorfreude ist die schönste Freude!