ein müder Tag

 

Malin hatte eine strenge Nacht. Sie hat schlecht geschlafen, viel studiert, lag lange wach. Sie hat sich überlegt, was sie macht, wenn sie wieder gesund ist: Sie würde alle umarmen und laut rufen: "Ich bi wieder gsund!"

 

Der Chemoblock verläuft sonst planmässig, es geht ihr soweit gut. Sie ist etwas müder und auch die Übelkeit ist ein treuer Begleiter, obwohl sie dagegen Medikamente erhält. Der Blutzucker ist regelmässig zu hoch und wird mit Insulinspritzen korrigiert.

Aufgrund der hochdosierten Chemo wird ihr Körper per Infusion zusätzlich "geschwemmt", damit das Gift wieder aus dem Körper geführt wird. Die Flüssigkeit, die IN den Körper fliesst, sollte auch in dieser Menge wieder ausgeschieden werden. Auch alles, was sie trinkt, muss in einer Tabelle aufgeschrieben werden. Der Urin wird jeweils abgemessen und nach einigen Stunden wird bilanziert. Wenn die Bilanz nicht stimmt, wird das wasserlösende Mittel Lasix gegeben und so muss Malin noch öfters auf die Toilette - Tag und Nacht. Und das ist ziemlich mühsam mit dem grosszügig behängten Infusionsständer in einem wirklich sehr engen, kleinen WC. Sie bringt ja kaum den Infusionsständer - den nennt sie übrigens neuerdings "Kari" - in das enge Räumchen...

 

Am Morgen kommt noch der Psychologe mit seiner Praktikantin vorbei und sie spielen zu dritt ein paar Runden Tschau Sepp. Nach dem Mittag bekommen wir Besuch vom Spitalseelsorger, die tägliche Physiostunde ist auch noch angesagt und dann lese ich weiter aus ihrem Buch vor. Ich staune - es dauert ganze 28 Seiten lang, bis sie eingeschlafen ist...

 

Heute Abend kommt Padi und löst mich ab. Er hat diese Woche Ferien, und so gehe ich morgen mit Enya auf den Muggenstutz und er bleibt bei Malin. Ich bin gespannt, ob die beiden heute Abend Fussball (Schweiz-Portugal) oder einen Film schauen werden.... oder beides...? Eine "angeregte" Diskussion wird es ganz sicher geben...